Männer-Mythos Femme fatale

Geschichten von der gefährlichen Frau

 

Für alle, die der Ablauf der Lesung interessiert, gibt es HIER eine Gliederung mit den Autoren und Titeln, die tatsächlich gelesen wurden, sowie den Hinweis auf musikalische Stücke zum Thema "Femme fatale", die auch eingespielt wurden.

 

Einige Textbeispiele und künstlerische Interpretationen

Albert Samain: Una

Eine Sphinx mit smaragdenen Augen, engelshafter Vampir,
Verbirgt sie sich in Träumen unter dem grausamen Gold wellengleichen Haares;
Ihr Mund entflammt mit Rot, heiß wie des Herdes langsame Glut,
Und ihre Augen falsch, ihr Herz falsch, ihre Liebe noch viel schlimmer.

Jan Toorop: Die Sphinx

Jan Toorop: Die Sphinx

Johann-Wolfgang von Goethe: Der Fischer

Sie sprach zu ihm, sie sang zu ihm;
Da war's um ihn geschehn;
Halb zog sie ihn, halb sank er hin
Und ward nicht mehr gesehn.

Edward Burne-Jones: The Depths of the Sea

Edward Burne-Jones: The Depths of the Sea

John Keats: La Belle Dame Sans Merci

Da lullte sie mich in den Schlaf,
Da träumte ich — Ah! weh, so lang! —
Den letzten Traum, den ich je träumt
Auf dem kalten Hang.

Ich sah Monarchen, Fürsten bleich,
Bleich Krieger, todbleich alle Mann;
Sie schrien — «La Belle Dame sans Merci
Hält dich in Bann!»

Henry Meynell Rheam: La Belle Dame Sans Merci

Henry Meynell Rheam: La Belle Dame Sans Merci

Dante Gabriel Rossetti: Lilith. Für ein Gemälde

Von Lilith, Adams erstem Weib, erzählt man sich
(Der Hexe, die er liebte, bevor er Eva zum Geschenk erhielt),
Daß vor der Schlange Zunge ihre süße Zunge täuschen konnte
Und ihr verzaubert Haar das erste Gold war.
Und immer noch sitzt jung sie da, obgleich die Erde alt ist,
Und hintergründig in sich selbst gedankenvoll verloren,
Zieht sie die Männer an, das leuchtend Netz zu schaun, das sie versteht zu weben,
Bis Herz und Körper und das ganze Leben in ihm gefangen sind.

Die Rose und der Mohn sind ihre Blumen; denn wo
Fänd' der sich nicht, o Lilith, den nicht verströmter Duft
Und sanft verströmte Küsse und sanfter Schlaf umgarnten?
Schau! wie jenes Jünglings Augen auf zu deinen brannten, so ging
Dein Zauberbann durch ihn hindurch und ließ den graden Nacken ihm gebeugt zurück
Und um sein Herz ein würgend goldnes Haar.

Dante Gabriel Rossetti: Lady Lilith

José-Maria de Hérédia: Antonius und Kleopatra

Schon schläft Ägypten. Schwül und sternenleer
starrt rings die Nacht. Von schweigender Terrasse
sehn sie den Riesenstrom die schlammige Masse
durchs schwarze Delta schieben, fahl und schwer.

Er hält sie auf Knien. An seine Wehr
schmiegt schmeichelnd sich, daß er ihn fester fasse,
der weich gelöste Leib. Das schmale blasse
Antlitz im Kranz der Haare schiebt sich her,

wie heiß die Lippen ihm entgegenschwellen!
Es steigt ein Duft aus diesen schwarzen Wellen,
der ihn betäubt. Nun tauchen sie empor,

die siegend sich an seine Seele saugen,
die goldgetigerten, die Meeresaugen,
an die Antonius Ruhm und Reich verlor.

Lawrence Alma-Tadema: Antony and Cleopatra

Lawrence Alma-Tadema: Antony and Cleopatra

Heinrich Heine: Atta Troll

In den Händen trägt sie immer
Jene Schüssel mit dem Haupte
Des Johannes, und sie küßt es;
Ja, sie küßt das Haupt mit Inbrunst.

Denn sie liebte einst Johannem –
In der Bibel steht es nicht,
Doch im Volke lebt die Sage
Von Herodias' blut'ger Liebe –

Anders wär ja unerklärlich
Das Gelüste jener Dame –
Wird ein Weib das Haupt begehren
Eines Manns, den sie nicht liebt?

Paul Delaroche: Herodias

Paul Delaroche: Herodias

Joris-Karl Huysmans: Gegen den Strich

In dem Werk von Gustave Moreau, in seinem Entwurfe frei von aller Tradition, sah Herzog Jean endlich diese übermenschliche und seltsame Salome verkörpert. Sie war nicht allein die Tänzerin, die durch wollüstige Windungen ihrer Hüften einem geschwächten Greise den Schrei frivoler Begier entlockt, indem sie sich den Willen eines Königs durch die Bewegungen ihres Leibes und das Zittern ihrer Schenkel unterwirft; sie wurde sozusagen die sinnbildliche Gottheit unzerstörbarer Wollust, die Göttin der unsterblichen Hysterie; jenes einfache Sinnentier, ungeheuer, gefühllos, unempfindlich, die alles, was sich ihr nähert, sie berührt und sie sieht, vergiftet.

Gustave Moreau: Salome

Oscar Wilde: Salome

Ah! Ich habe deinen Mund geküßt, Jochanaan. Ah! Ich habe ihn geküßt deinen Mund, es war ein bitterer Geschmack auf deinen Lippen. Hat es nach Blut geschmeckt? Nein! Doch es schmeckte vielleicht nach Liebe ... Sie sagen, daß die Liebe bitter schmecke ... Allein, was tut's? Was tut's? Ich habe deinen Mund geküßt, Jochanaan. Ich habe ihn geküßt, deinen Mund.

Aubrey Beardsley: Salome

Helmut Newton: Charlotte Pampling as "Venus In Furs"

1977 fotografierte Newton Charlotte Rampling, die sich bereits durch ihre Filmrollen den Ruf einer Femme fatale erworben hatte. Es handelt sich hierbei eindeutig nicht um ein Porträt sondern die Herstellung einer fiktiven Frauengestalt, einer "Venus im Pelz" ganz im Sinne des Werkes von Leopold von Sacher-Masoch.

Helmut Newton, Venus In Furs

Brandneu: Anleihen des Films bei der Femme fatale des Fin de siècle

Filmplakat für das Remake von "Red Sonja" mit Rose McGowan in der Titelrolle (2009/2010 im Kino; Regie: Robert Rodriguez):

Robert Rodiguez: Red Sonja

Rose McGowan als fatal erscheinende rote Sonja

 

zurück